Urschler & Urschler

Christina und Julia Urschler

Was passiert, wenn zwei Individualistinnen ein Team bilden? Aus einer explosiven Mischung von Kreativität, Stil, Sorgfalt und qualitativem wie künstlerischem Anspruch bauen die Zwillingsschwestern Julia und Christina ihre Grafik- und Designagentur Urschler & Urschler auf.

Ein Treffen voller Inspiration, über ein Ankommen voller Umwege.

Interview: Gudrun Tielsch | Fotos: Markus Thums

Nach einer beachtlichen Karriere als Eiskunstläuferinnen, in der von Julia Urschler sogar mehrmals der Tiroler Landestitel geholt wurde, führen Sie nun zehn Jahre später gemeinsam eine Agentur. Vom Corporate Design über Produktdesign bis hin zur ganzheitlichen Markenidentität kreieren Sie Stilvolles für Ihre Kunden. Zudem haben Sie Tapeten entworfen, künstlerisch bemalen Sie Wände, Porzellan und alles, was nicht lebt und wegläuft. War das ein gerader Weg, vom Leistungssport zum Zeichentisch?

J: Gar nicht. In der Schule wollte ich noch Walforscherin werden. Nach der Matura habe ich noch ein Jahr meinen Sport ausgeübt, parallel haben Christina und ich ein Vier-Sprachen-Diplom gemacht, um die Zeit zur Orientierung zu nützen. Christina hat ein Jahr Wirtschaftsrecht studiert.

C: Der Zeichenstift, der Pinsel, der Bleistift haben uns aber immer begleitet, zur Beruhigung, zur Ablenkung und Beschäftigung. Schon in der Kindheit. Ich wollte eigentlich einen wirtschaftlichen Beruf, wo ich in den Bergen sein kann. Aber das hat nicht funktioniert. Die Begeisterung für Mode war stärker und mit dem Wunsch, Modedesignerin zu werden, hat dann alles angefangen.

J: Wir hatten eine Zeichenprofessorin, Helene Bockberger, in der Schule, sie kam von der Angewandten und hatte einen unüblichen Zugang, der uns gefallen hat. Nach der Matura hat sie sich die Zeit genommen und mit uns ein Jahr lang an einer Präsentationsmappe gearbeitet. Wir haben unglaublich viel gelernt und mitnehmen können.

C: Und sind dann nicht aufgenommen worden. (lacht)

J: Wir sind auf die Uni gegangen und haben Kunstgeschichte studiert und eine Ausbildung in analoger Fotografie gemacht. Das Zeichnen hat uns aber nicht mehr losgelassen.

C: Ein neuer Plan musste her. Die Graphische. Die Aufnahmeprüfung haben wir bestanden.

War von da an klar, dass es ein gemeinsamer Weg wird?

C: Als Zwilling ist man von außen immer eine Einheit. Dadurch ist so eine Wechselwirkung da. Wir sind uns in vielem ähnlich, in genauso viel gar nicht. Aber wir haben ähnliche Interessen, auch weil wir ein gemeinsames Großwerden hatten. Unsere Eltern haben uns gefördert, aber nie Druck gemacht, höchstens einen gesunden Druck: Schaut, was euch interessiert, probiert es aus, aber lasst es nicht schleifen. So konnten wir unsere Stärken zusammen entwickeln, vor allem die Stärke, dass wir zusammen irrsinnig gut funktionieren. Das nutzen wir, besonders für die Arbeit. Aber jede von uns hat ihre eigenen Freunde, ihre eigenen Hobbys, ihr eigenes Leben.

J: Wenn wir arbeiten, machen wir immer die ersten Entwürfe gemeinsam. Dadurch entwickelt sich eine Richtung, die dann eine von uns beiden zu Ende denkt. Es muss immer eine geben, für jedes Projekt, die den Leitfaden in der Hand hat. Wir sind zudem gut eingespielt und brauchen für Kritik keine Barrieren überwinden.

C: Keine besondere Höflichkeitsform. (lachen)

J: Wenn eine von uns ansteht, übernimmt die andere. Oft ist es ein Geben und Nehmen, ein Ping-Pong-Spiel.

C: So wie unsere Arbeit, so war auch unser bisheriger Weg. Eines hat sich aus dem anderen entwickelt. Wenn man etwas will, ein Ziel hat, dann bin ich überzeugt davon, führt ein Weg dorthin. Und Umwege gehören zu dem Weg dazu. Das Allerwichtigste ist für unsere Arbeit die Selbstreflexion. Wenn man weiterkommen will, muss man sich hinterfragen. Man muss hinter seiner Arbeit und sich selbst stehen, sonst überzeugt man nicht. Man muss auch Kritik von anderen annehmen können. Im Endeffekt bekommt man von außen immer seinen eigenen Stand gespiegelt. Ästhetik war immer wichtig für uns und sehr präsent. Nicht nur durch Kunst, sondern auch im Alltag. Wenn jemand gerne gut isst, dann zieht er sich auch gerne gut an, hört gerne gute Musik, wohnt gerne schön und legt Wert auf eine entsprechende Visitenkarte.

J: Wir fühlen uns verantwortlich für das Gesamtbild. Wir wollen, dass sich andere gut fühlen, in der Weise, wie sie sich präsentieren. Das ist unsere Motivation und unser Ziel.

Zu kreativen Berufen gehören aber nicht nur Inspiration, sondern auch Abgabetermine.

J: Sicher. Ohne Disziplin geht es nicht. Je näher die Deadline rückt, desto kreativer ist man. Das ist interessant. Oft ist der Stress eine Hilfe, weil, wenn man 100 Entwürfe macht und sich nicht entscheiden kann, dann zwingt einen der Stress, alles loszulassen und einen Schritt zurück zu gehen. Ein Abgabetermin macht Druck, da passiert viel in letzter Minute.

C: Wir haben nach der Grafischen ein Jahr lang Styling gemacht für Modemagazine. Da lernt man mit Stress umzugehen. Aufgrund unseres hohen Anspruchs war dies sehr zeitintensiv und es blieb wenig Raum für Privates. In der Zeit haben wir viele gute Kontakte geknüpft, die es uns ermöglichten, uns so früh selbständig zu machen.

Gibt es Grundregeln für Grafik, für Editorial Design? Für die gesamte Herangehensweise und Umsetzung?

C: Natürlich gibt es Regeln. Man schreibt zum Beispiel nie von oben nach unten, weil das negativ ist. Manchmal ist es aber gerade reizvoll, Regeln zu brechen. Das ist aber ein feiner Grat.

J: Man braucht Mittel, es nützt einem die ganze Inspiration nichts, wenn man keine Mittel hat, sie umzusetzen.

C: Für mich beginnt jedes Projekt bei den Menschen. Die Menschen machen die Firma, machen die Marke. Man muss diese Menschen kennenlernen, ihre Werte verstehen. Wo steht ihr, wo wollt ihr hin, dafür muss man ein Gefühl bekommen. Einmal treffen und kurz reden, das funktioniert meistens nicht.

 


 

Lesen Sie das Interview in voller Länge in PORTRAIT 5 / 2016.

 

 

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