Ausgabe 6 / 2016

„Dann ist es also wahr, dass es meine Geschichte gibt?“, fragt Don Quijote. „So wahr, dass inzwischen bereits zwölftausend Bände gedruckt sind“, antwortet Carrasco.
(Miguel de Cervantes)

Die Welt des Don Quijote ist die Welt seiner Vorstellungskraft. Er hat zu viele Ritterromane gelesen, die haben seine Fantasie beflügelt, und nun reitet er als Mann von La Mancha durch die Lande und kämpft für das Gute, Wahre und Schöne. Für die anderen ist`s ein Spiel, er meint es ernst. Für ihn gibt es nur eine Wirklichkeit, die gilt es zu verteidigen, auch wenn sie seine Erfindung ist. Es gibt welche, die meinen, er sei verrückt. Ein Phantast, der jeden Bezug zur Realität verloren hat. Um sich seiner selbst zu vergewissern, fragt Don Quijote nach seiner Geschichte. Denn wenn es die gibt, dann muss ja auch er existieren, der Mann von La Mancha. Und ist sie auch wahr? Ist er somit Realität oder Einbildung? Er liest diese Geschichte schließlich und bemerkt, dass sowohl sein Begleiter Sancho Panza, als auch er selbst, eine Erfindung sind, Romanfiguren, reine Fiktion. Zwei Fantasiegestalten, mit enormer Sprengkraft allerdings, die seit 400 Jahren unsere Kultur bereichern.

„Die Welt ist Erzählung“, so der Philosoph Paul Ricoeur. „Eine gelungene Erzählung greift die Lebenswelt auf, gestaltet sie und wirkt auf die Lebenswelt zurück. Gerade deswegen, muss die Erzählung fiktiv sein.“

Jedes Kunstwerk, ob Roman, Theater, Musik, Bild, Film oder Architektur ist solch eine Erzählung, ist ein Spiel zwischen Tagtraum und Nachttraum.

Editorial der Ausgabe 6 / 2016

 


 

 

Gesprächspartner der Ausgabe 6 / 2016

  • Thomas Clavinic
  • Cesy Leonard
  • Marie Luise Oschatz
  • Caramel Architekten
  • Götz Spielmann
  • Clemens Krauss
  • Tommy Hojsa & Tini Kainrath 

 

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